Kid Cotton von KREMKE: Vom Ziegenhof bis auf deine Nadeln

Kid Cotton Kremke

Kid Cotton ist eines dieser Garne, bei denen man kaum glauben kann, wie viel Arbeit, Wissen und Herzblut in jedem einzelnen Knäuel steckt. Es sieht leicht und fluffig aus – aber dahinter steckt ein hochkomplexer Prozess, der sich über mehrere Kontinente und viele Spezialbetriebe zieht.

Zwei Fasern, eine Idee

Kid Cotton besteht aus zwei Komponenten: besonders feinem Super Kid Mohair und sehr dünn gesponnener Bio‑Baumwolle.

  • Das Mohair stammt von jungen Angoraziegen aus Südafrika, wo es nach dem Responsible Mohair Standard (RMS) erzeugt wird, der Tierwohl, Landnutzung und faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette vorgibt.
  • Die Baumwolle kommt aus Indien und ist als Bio‑Baumwolle nach GOTS‑Standard zertifiziert – das heißt, sie wird ohne synthetische Pestizide angebaut und in allen Produktionsschritten nach klaren ökologischen und sozialen Kriterien kontrolliert.

🫰🏻 Spannend: Im fertigen Garn macht die Baumwolle nur einen kleineren Anteil aus -  im Kid Cotton sind es 35 % Baumwolle. Für ein offizielles GOTS‑Label müsste ein Garn mindestens 70 % zertifizierte Biofasern enthalten – deshalb darf Kid Cotton nicht als GOTS‑Garn ausgelobt werden, obwohl die verwendete Baumwolle selbst GOTS‑zertifiziert ist. 🥲

Responsible Mohair: Tierwohl statt Zufall

Mohair ist ein faszinierender Rohstoff: leicht, glänzend, mit einem ganz eigenen Halo.

Gleichzeitig fragen viele Stricker:innen inzwischen sehr bewusst nach Tierwohl.

Genau hier setzt der Responsible Mohair Standard (RMS) an: Er stellt sicher, dass Mohair nur von Farmen stammt, die strenge Anforderungen an das Wohl der Ziegen, eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Weiden und gute Arbeitsbedingungen erfüllen.

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Artgerechte Haltung und schonende Schur nach den „Five Freedoms“ des Tierwohls (u.a. frei von Hunger, Schmerz und Angst).

  • Nachhaltige Bewirtschaftung von Land und Ressourcen.

  • Lückenlose Rückverfolgbarkeit des Mohairs entlang der Lieferkette, abgesichert über unabhängige Audits und Transaktionszertifikate.

❗️ Silk‑Mohair‑Garne (etwa Silky Kid) können übrigens ebenfalls nach RMS‑Standards gearbeitet sein – Kid Cotton ist keine „bessere“ Alternative, sondern eine andere: pflanzlich gestützt, baumwollbasiert und dadurch mit ganz eigenem Charakter.

Von Südafrika und Indien nach Rumänien

Die Reise der Fasern beginnt auf Ziegenfarmen in Südafrika und Baumwollfeldern in Indien. Dort werden sie gewaschen, gekämmt und zu Mohair‑Tops bzw. feinem Baumwollgarn vorbereitet, bevor sie als „Rohgarnbasis“ in der Kammgarnspinnerei in Rumänien ankommen. Dort passieren dann fast alle weiteren Schritte: Mischen, Spinnen, das Bilden der kleinen Loops, Rauen, Färben und Wickeln zu den Knäueln, die du später in der Hand hältst.

Dort treffen sich die beiden Welten:

  • Super Kid Mohair kommt als sogenannte Tops an – das sind bereits gewaschene, gekämmte, zu dicken Bändern verarbeitete Fasern.

  • Die Bio‑Baumwolle wird als extrem fein gesponnenes Garn eingekauft, denn nur so kann sie als zarter Trägerfaden dienen, ohne den weichen Mohair‑Charakter zu stören.

Die Spinnerei arbeitet im Schichtbetrieb, viele Arbeitsschritte greifen ineinander, und jedes Detail – von der Fasermischung bis zur Färbung – entscheidet darüber, wie sich dein späteres Knäuel anfühlt.

Das Geheimnis der kleinen Loops

Der vielleicht spannendste Teil an Kid Cotton passiert, bevor du es überhaupt als „flauschiges“ Garn erkennst.

Um später diesen weichen, leichten Halo zu erzielen und trotzdem ein stabiles Garn zu haben, entsteht zunächst ein „Vorprodukt“: ein Bouclé‑Garn mit lauter kleinen Schlingen (Loops). 👀

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So kannst du es dir vorstellen:

  • Das Mohair bildet diese winzigen Schlaufen.

  • Das Baumwollgarn läuft darunter entlang und fixiert jede einzelne Schlinge, ohne selbst sichtbar oder flauschig zu werden.

Warum macht man diesen Umweg über die Loops überhaupt?

Man könnte ein einfaches Mohairgarn auch direkt aufrauen, aber dann liegen die Fasern relativ lose im Garn und haben kaum Verankerung – das fertige Strickstück würde deutlich stärker fusseln und schneller an Substanz verlieren.

Durch die Bouclé‑Konstruktion werden die Mohairfasern in jeder einzelnen Schlaufe am Kernfaden „eingehakt“ und bleiben viel besser im Garn, selbst wenn das Gestrick später bewegt, getragen und gewaschen wird.

Im Loop selbst steckt also nur Mohair – die Baumwolle hält im Hintergrund alles zusammen. Genau das ist auch der Trick, der Silk‑Mohair‑Garne so stabil macht: Dort übernimmt anstelle der Baumwolle ein Seidenfaden die Rolle des Trägergarns. Die Seide sorgt zusätzlich für Glanz und Luxusgefühl, die Baumwolle bei Kid Cotton für einen etwas matteren, pudrig‑weichen Look.

Und würde man unser Alpaca Bouclé in einem ähnlichen Prozess raufen, entstünde daraus ebenfalls ein flauschiges Alpaka‑Garn mit Halo.

Rauen: aus Loops wird Flausch

Das Loop‑Garn sieht in diesem Stadium noch gar nicht nach dem aus, was du aus dem Knäuel kennst.

Damit der charakteristische Flausch entsteht, läuft das Garn über spezielle Walzen, die mit unzähligen feinen Nadeln besetzt sind. Dabei werden die Mohairfasern sanft aus den Schlaufen herausgezogen – Schlinge für Schlinge – bis sich um das Garn herum eine weiche, gleichmäßige Haarigkeit bildet.

Über zwei Hebel lässt sich die Optik steuern:

  • Wie dicht die Nadeln am Garn arbeiten (Abstand zur Walze).

  • Wie oft das Garn geraut wird (ein oder mehrere Durchgänge).

Bei Kid Cotton wurde bewusst ein Mittelweg gewählt: „mittelflauschig“ – genug Halo, um den typischen Mohaireffekt zu bekommen, aber nicht so viel, dass das Garn instabil würde oder zu stark fusselt. ✨

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Das Baumwollgarn wird dabei geschont und dient weiterhin als stabile Basis, während die Super Kid Mohair‑Fasern den sichtbaren Flausch bilden.

Weniger Fusseln, mehr Tragekomfort

Für dich als Stricker:in bedeutet diese Konstruktion:

  • 🌿 Der Flausch ist gut verankert, die Fasern können nicht so leicht „herauswandern“.

  • 🌿 Das Garn fusselt deutlich weniger als ein einfach aufgerautes Dochtgarn ohne Trägerfaden.

  • 🌿 Durch die sehr feine Super Kid Mohair‑Qualität fühlt sich Kid Cotton besonders weich an und ist weniger „stachelig“ auf sensibler Haut.

Gleichzeitig bleibt der Mohair‑Charakter voll erhalten: leicht, warm und mit schöner Tiefe in der Oberfläche. Wer die Optik von Silk Mohair liebt, aber lieber eine pflanzliche Komponente statt Seide im Garn haben möchte, findet in Kid Cotton eine spannende Alternative – ohne dass das eine das andere ersetzt.

Bio‑Baumwolle: das leise Rückgrat im Hintergrund

Die Bio‑Baumwolle aus Indien ist bei Kid Cotton so etwas wie die stille Heldin hinter den Kulissen.

Damit sie als hauchdünner Trägerfaden funktionieren kann, braucht es eine besonders lange und feine Stapelfaser, die sich überhaupt so dünn spinnen lässt, dass sie mit einem Seidenfaden konkurrieren kann.

Dass diese Baumwolle GOTS‑zertifiziert ist, bedeutet:

  • Sie stammt aus kontrolliert biologischem Anbau.

  • Es gelten strenge Anforderungen an Chemikalieneinsatz, Wasserverbrauch und soziale Bedingungen in allen nachgelagerten Stufen.

Auch wenn Kid Cotton als Gesamtgarn wegen des Mohair‑Anteils nicht als GOTS‑Produkt gelabelt werden darf, steckt darin doch echte Bio‑Baumwolle – und zwar in einer Qualität, die man beim Stricken zwar kaum sieht, aber fühlt: in der Stabilität des Garns, im angenehmen Griff und in der Haltbarkeit deiner Projekte.

Warum Kid Cotton (und nicht „statt“ Silk Mohair)?

Für uns ist Kid Cotton kein Gegenprogramm zu Silk‑Mohair‑Garnen, sondern eine Ergänzung.

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Silk Mohair bringt den unvergleichlichen Glanz, Luxus und die fließende Leichtigkeit der Seide mit, Kid Cotton dagegen eine etwas „erdigere“ Haptik mit Baumwollkern, die sich toll im Alltag tragen lässt und preislich etwas zugänglicher ist, weil Baumwolle deutlich günstiger ist als hochwertige Seide.

Du kannst dir die beiden Qualitäten wie zwei Geschwister vorstellen:

  • Silk Mohair, wenn du maximale Leichtigkeit, Glanz und Luxus möchtest.

  • Kid Cotton, wenn du ein fluffiges, weiches Garn mit Baumwollbasis suchst, das sich wunderbar mit Merino kombinieren lässt und gleichzeitig deine Fragen zu Tierwohl und Bio‑Anbau ernst nimmt.

Am Ende erzählen beide Garne die gleiche Geschichte: von sorgfältig ausgewählten Fasern, verantwortungsvoll arbeitenden Betrieben und unglaublich vielen Arbeitsschritten, bevor du den ersten Maschenanschlag machst.